Was ist schon normal?

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Hans Joachim Röhnsch
Gründungspastor von Christus für Hannover

Mein Name ist Hans-Joachim Röhnsch, ich bin 66 Jahre alt, seit 43 Jahren verheiratet, Vater von 6 Kindern wobei wir vier eigene Töchter haben und seit etwa 25 Jahren zwei Kinder die jetzt 27 und 29 Jahre sind, zur unser Familie zählen. Über 26 Jahre habe ich die freie Christengemeinde „Christus für Hannover“ geleitet.

Ich bin in einer  Beamtenfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Zollbeamter und meine Mutter Hausfrau. Meine Eltern  gehören zur evangelisch lutherischen Kirche. Doch der Glaube an Gott spielte nie eine große Rolle in unserer Familie. Als Kind versuchte ich zu beten, doch ich war oft hin und her gerissen von den Tagesereignissen und von dem, was um mich herum passierte. So  legte ich nach meiner Konfirmation den Glauben zur Seite und war der Meinung  alles sei nur Seelentrost für alte Leute.

Durch unseren  Umzug nach Hannover lernte ich mit 16 Jahren das  Leben in der  Stadt kennen. Während meiner Lehrzeit fand ich Freunde und fing an mein Leben zu leben und zu genießen. Es war die Zeit, in der wir dachten, die Welt gehört uns und wir könnten sie mit Musik und mit unserer Meinung verändern. Wir äußerten uns zum Vietnamkrieg und zu der Doppelmoral der herrschenden Klasse. Es war die Zeit der Studentenbewegung, der außerparlamentarischen Opposition und der Gammler. Die ersten Drogen hielten Einzug in unsere Kreise.

Ich merkte jedoch sehr schell wo meine Grenzen lagen. Das Jahr 1968 war nicht ohne Probleme. Viele Dingen klappten nicht so wie ich es mir gedacht hatte, War das alles? Sich an den Wochenenden die Ohren mit Musik volldröhnen zu lassen. In  der Lehre als Industriekaufmann sich so durchzumogeln? Mit Freunden zu feiern und zu trinken. Doch dann gab ein einschneidendes Erlebnis das mein Leben nachhaltig beeinflussen sollte.
An einem Samstag im Oktober machte ich mit einem meiner Freunde einen Besuch im Harz. Wir trafen uns  dort mit zwei Freundinnen und verbrachten einen  netten Nachmittag. Auf der Rückfahrt musste mein Freund einige Male sehr stark bremsen, so dass ich mir  das von der Rückbank gefallene Kofferradio nach vorn auf den Schoß holte. Plötzlich sahen wir, dass von rechts auf einer Auffahrt ein dunkelblauer Opel Rekord C parallel fuhr und auf die von uns benutzte Fahrbahn einfuhr. Mein Freund zog unseren Wagen stark nach links und das Fahrzeug fing an zu schleudern, fuhr auf eine Verkehrsinsel auf und überschlug sich. Dabei sprang die rechte Tür auf und ich wurde auf die Straße geschleudert. Im letzten Moment hatte ich den Impuls zu springen, das tat ich auch. So schlug ich nicht mit dem Rücken auf, sondern krachte mit dem Becken seitlich auf die Fahrbahn.  Danach war es totenstill. Plötzlich  sah ich zwei  Scheinwerfer auf mich zurasen. Ich nahm all meine Kraft zusammen und bewegte mich zum Mittelstreifen der Fahrbahn und brach dort zusammen. Danach gab es ein hässliches knirschendes Geräusch, das Fahrzeug war auf  einen herausgerissen Betonklotz aufgefahren.

Ich wurde nach etwa 30 Minuten ins Kreiskrankenhaus Goslar eingeliefert. Noch in der Nacht wurde ich einer Notoperation unterzogen der innerhalb der nächsten zehn Tage zwei weitere Operationen folgten. Da lag ich nun mit 18 Jahren mehr tot als lebendig im Krankenhaus. Das Becken zerbrochen, die Leber gerissen, die Gallenblase beschädigt, die linke Lunge arbeitete nicht mehr.

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War das nun alles gewesen. Ich hatte dem Tod ins Auge gesehen und blieb doch am Leben. Mir wurde mit einem mal klar – im Normalfall wäre ich jetzt tot.

Aber was ist schon normal?
Der Vater eines andern Freundes war ein Mann der nicht nur an Gott glaubte sondern  zusammen mit meinen Eltern für meine Heilung betete. Dieser  Freund gehörte zu einer christlichen Jugendgruppe die ebenfalls anfingen für mich zu beten. Auch in der“ Ecclesia Gemeinde“ Hannover fingen Menschen an für meine Heilung zu beten. Ins Krankenhaus kam ein katholischer Priester der mit mir sprach und zum ersten Mal für mich laut betete.

Das scheinbar unmögliche geschah die inneren Organe fingen wieder an zu arbeiten. Ich lernte wieder laufen und wurde am 31.12. 1968 aus dem Krankenhaus entlassen. – Alles erschien mir wie ein Albtraum doch es war Realität. Für ein Jahr war ich arbeitsunfähig. Für sechs Wochen kam ich in die Kurklinik- Kurköln nach Bad Neuenahr. Das war eine sehr gute Zeit für meine Genesung.

Danach   nahm mein gewohntes   Leben wieder auf.  Lehre, Führerschein, neuer Arbeitsplatz im öffentlichen Dienst. Doch eins interessierte mich. Was waren das für Menschen, die für mich gebetet hatten? So ließ ich mich in diese Gemeinde einladen. Alles was ich dort sah war ungewohnt. Mein Freund und ich platzten mitten in eine zu Ende gehende Weihnachtsfeier. Doch die Freundlichkeit der Leute fiel mir auf. Das nächste Mal ließ ich mich zum Jugendabend einladen. Neben mir saß ein Mädchen, das mir gefiel. Heute bin ich mit ihr 4o Jahre verheiratet. Ich ließ mich wieder einladen. Inzwischen begriff ich, das es nicht um einen allgemeinen Glauben an irgend einen fernen Gott geht sondern um eine persönliche Beziehung  zu Jesus Christus der durch seinen Tod am Kreuz den Weg zum Vater freigemacht habe. Ich hörte mir viele Predigten an doch ich war mir im klaren ich musste mich irgendwann einmal entscheiden. Wollte ich ein Leben wo Jesus Christus die Mitte  ist, oder  nur ein bisschen dankbar für das Wunder meiner Genesung  und  religiös werden?

Ich überlegte lange. Es gab eine Zeit, in der  ich mich nirgends mehr zu Hause fühlte – weder in Diskotheken noch in der christlichen Gemeinde.

Ostern 1973 ließ ich mich wieder zu einem Gottesdienst einladen. Die Predigt ging darum Jesus nachzufolgen, ihm sein Leben übergeben und um einen neuen Lebenswandel mit  Jesus. Das sprach mich an.
Am Ende der Veranstaltung kam ich mit einem jungen Mann von der Gemeinde ins Gespräch. Dann stellte er mir eine Frage: „Weißt du, ob deine Schuld und Sünde vergeben ist?“ Ich fragte: „Kann man das denn wissen? “Wir redeten noch eine ganze Weile, dann beteten wir zusammen. In diesem Gebet bat ich Gott um Vergebung meiner Sünde. Ich hatte ihn bis dahin nicht als den Gott der Vergebung kennen gelernt. Nach dem  Ende des Gebetes spürte ich eine sehr starke Leichtigkeit. Ich wusste mit einem Mal – alles was mich bedrückte, alle meine Fehler waren durch Jesus Christus vergeben. Etwas ganz neues war in mir geschehen.
Ich merkte wie ich wirklich ich eine Beziehung zu diesem großen Gott kam, den ich jetzt Vater nennen durfte. Mit einem neuen Bewusstsein jetzt Kind Gottes zu sein fing ich an meinen Glauben zu leben. Viele Dinge dir mir vorher wertvoll gewesen waren hatten auf einmal an Bedeutung verloren. Es war für mich kein Zwang in ein neues Leben mit Jesus Christus hineinzugehen. Meine Suche nach dem Sinn des Lebens war zu Ende.
Über vierzig Jahre sind seit diesem Abend vergangen. Unzählige Male habe ich in dieser Zeit die Liebe Gottes erfahren, erlebt wie Gott unsere Gebete erhört hat.

Mein Leben hat durch den Glauben an Christus Sinn und Ziel bekommen. In all den Jahren habe ich auch schwierige Dinge durchlebt. Aber auch heute kann ich  immer noch sagen: Gott ist treu. Seine Hilfe  habe ich immer wieder erfahren.

Ich könnte mir heute ein Leben ohne den tiefen, intensiven Glauben an Gott  überhaupt nicht mehr vorstellen.

Unsere vier Töchter sind inzwischen alle verheiratet. Mit Ihren Männern gemeinsam leben Sie ebenfalls Ihr Leben als Christen aus.

Bennigsen, 01 April 2017